24 Stunden Dienst der Jugendfeuerwehr

Am Samstag und Sonntag (09. und 10. Juli 2016) absolvierte die Jugendfeuerwehr Bauerbach einen 24 Stunden Dienst. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus gemeinschaftlichen Tätigkeiten, wie z. B. das gemeinsame Zubereiten der Mahlzeiten, Spiele spielen, etc., und Feuerwehrtätigkeiten. Dazu zählt sowohl der Ausbildungsdienst als auch das Abarbeiten von "Einsätzen".

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Diese "Einsätze" wurden von Kameraden aus der aktiven Einsatzabteilung vorbereitet und beaufsichtigt. Die Kinder wussten jedoch nicht wann und wie oft sie zu diesen Übungen gerufen werden, außerdem war ihnen bis zur Alarmierung nicht bekannt, was da auf sie zukommt - wie bei einem echten Einsatz bei der Feuerwehr.

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Einsätze lassen sich nicht planen und kommen völlig überraschend "aus dem Nichts". Genau das sollte unter anderem vermittelt werden. Ein weiterer Punkt, den die Kinder einmal kennen lernen sollten, war die Tatsache, dass sich der Ablauf eines Abends beispielsweise, schlagartig ändern kann. In einem Moment saßen wir alle gemütlich beisammen und spielten das Spiel "Werwolf" und keine 10 Minuten später standen wir im Feld und löschten brennendes Stroh.

Es war ein sehr spannendes Erlebnis, nicht nur für die Kinder, und machte unheimlich viel Spaß. Wenngleich es zudem auch anstrengend war, fällt die Bilanz doch sehr eindeutig positiv aus. Alle Beteiligten hatten viel Freude an der Veranstaltung und können den nächsten 24 Stunden Dienst kaum erwarten. Teilnehmer waren alle 8 Kinder der Jugendfeuerwehr sowie 3 Kameraden der aktiven Einsatzabteilung - diese 11 waren also permanent in den 24 Stunden zusammen auf der Wache. Weitere Kameraden organisierten die Übungseinsätze.

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Dann mal los!

Los ging es am Samstag um 11 Uhr morgens. Betten, sofern man es so nennen mag, wurden bezogen / aufgebaut und man richtete sich mehr oder weniger häuslich ein. Im Anschluss wurde das Mittagessen gemeinsam zubereitet und "verputzt". Gleich darauf folgte ein Ausbildungsdienst zum Thema FwDV 3 (Feuerwehr-Dienstvorschrift 3) mit dem Schwerpunkt Schaumangriff - also das Löschen mit Schaum. 

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Ein PKW geht in Rauch auf

Als hätte man es vorher geahnt (breites Grinsen) folgte schließlich um 14:53 Uhr die Alarmierung zum ersten "Einsatz". Gemeldet wurde ein PKW-Brand in einem Parkhaus am Klinikum - ein Einsatz prädestiniert für einen Schaumangriff. Simuliert wurde dies mit Hilfe einer Nebelmaschine, die unter einem PKW positioniert wurde - die Wirkung war spektakulär. Gekonnt und fast schon routiniert wurde der Schaumangriff aufgebaut und das Szenario erfolgreich abgearbeitet. 

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Zurück auf der Wache stand dann erst einmal Entspannung auf dem Plan - nach dieser Aufregung durch den "Einsatz" (Alarmierung, Ausrüsten, Aufsitzen, Ausrücken, Fahren zur Einsatzstelle, Einsatz abarbeiten) war das nötig. Bei dem zum Glück wunderschönen Wetter kam man zudem schnell ins schwitzen. Der eiskalte Eistee war daher sehr begehrt.

 

 

Mäuschen piep einmal

Nach einem gemütlichen Nachmittag bei bestem Wetter in netter Runde war es schließlich um 18:10 Uhr vorbei mit der Ruhe - Alarmierung zum "Einsatz" Nr. 2 (Alarmiert wurde übrigens über eine Alarm-App via Smartphone). Dieses Mal ging es nach Ginseldorf. Dort wurde eine Person vermisst, dargestellt durch einen Kameraden. Das Szenario sah vor, dass die Person zuletzt am Dorfladen gesehen wurde und dringend benötigte Medikamente nicht bei sich hatte. Sehr fachmännisch bildeten die 8 Kinder, die eigentlich alle Jugendliche sind, 4 Trupps à 2 Personen und zogen mit Funkgeräten ausgestattet in alle 4 Himmelsrichtungen los, um die Person zu suchen.

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Nach etwa einer halben Stunde wurde die Person schließlich am Waldrand auf einer Bank sitzend gefunden. Es wäre schneller gegangen, doch die Kids sollten die Person nicht zu schnell finden, daher wurden sie mit falschen Informationen versorgt.

Wieder ein erfolgreich abgeschlossener "Einsatz" - das macht hungrig! Also ab zur Wache und ab an den Grill. Dieser sorgte für leckeres Essen und eine sehr gemütliche Atmosphäre bei gemeinsamen Abendessen unter freiem Himmel.

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Blaulicht, Feuer und viel Spaß

Den Abend ging man in geselliger Runde ganz entspannt an, bei Spiel und Spaß mit "Werwolf" kamen alle auf ihre Kosten. Während man so schön am spielen war und "das Dorf einschlief" gingen doch plötzlich die Handys los - Alarmierung 3. "Einsatz" um 21:30 Uhr. In Bauerbach im Feld an der Straße "Wickegarten" brannte doch tatsächlich Stroh!

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Aber nur keine Sorge, die Feuerwehr war schnell zur Stelle und hatte das Feuer schnell unter Kontrolle und gelöscht. Damit das Feuer nicht später wieder entflammt, wurde das Brandgut nach Glutnestern durchsucht. Das Aufbauen einer Wasserversorgung über eine längere Strecke entfiel zum Glück, da das Wasser aus dem Fahrzeugtank (ca. 750 Liter) ausreichte.

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Nachtruhe

Nach diesem echten Feuer war es dann bereits nach 22:00 Uhr, also war Bettruhe angesagt - so recht funktionieren wollte das jedoch nicht. Die Aufregung und die Anspannung, dass es jeden Augenblick erneut zu einem "Einsatz" kommen könnte, hielt die Kinder wach. So glaubte die Mannschaft, dass es gleich wieder was geben werde und so rüsteten sich alle mit der Feuerwehrkleidung aus, um schneller einsatzbereit zu sein. Eigentlich war es um halb 12 bereits längst Zeit zum Schlafen, nicht zum Ausrüsten.

Um die Anspannung zu nehmen und die Kids etwas zu ärgern folgte um 23:48 Uhr eine Alarmierung - jedoch nicht zu einem "Einsatz" sondern wegen eines "technischen Defekts"... die 3 Betreuer fanden das sehr witzig, die Kids nicht (breites Grinsen)!

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Schließlich kamen alle Mann dann doch zur Ruhe und es kehrte der Schlaf in den Betten ein. Dieser wurde allerdings mit der Alarmierung Nr. 4 um 01:12 Uhr jäh beendet. Ein sog. Brandmeldeeingang wurde registriert.

Das bauerbacher Bürgerhaus hatte den Alarm ausgelöst - natürlich nur im vorgegebenen Szenario. Mit der Nebelmaschine wurde ein Teil des BGH verraucht, so stark, dass man kaum einen Meter weit schauen konnte. Außerdem wurde eine Person vermisst - Spannung pur für die Einsatzkräfte!

Mit dem schweren Atemschutzgerät auf dem Rücken drang der Angriffstrupp in den verrauchten Bereich vor (der Raum wurde von der Übungsleitung komplett zugestellt mit Turnbarren, Matten, etc.) und kämpften sich durch das Chaos. Nach einigen Minuten Suche bei "Null Sicht" konnte die Person (ein Dummy, ca. 80 KG schwer) gefunden und zusammen mit dem Wassertrupp gerettet und an den Rettungsdienst übergeben werden. Was für ein "Einsatz" - anstrengend, mitten in der Nacht, unsanft aus dem Schlaf gerissen, vermisste Person, alles völlig verraucht, aber dennoch erfolgreich... Respekt!

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Endlich ein bißchen Schlaf

"Hundemüde" konnte man nun mittlerweile um 2:00 Uhr morgens wieder ins Bett fallen und etwas schlafen. Aber für wie lange...?

Gerade einmal knappe 4 Stunden. Um 05:53 Uhr hieß es erneut: Aufstehen, Einsatzkleidung anziehen, aufsitzen und ausrücken zur starken Rauchentwicklung aus der Scheune.

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Es war die 5. Alarmierung zu einem "Einsatz". Wieder brannte es in Bauerbach, dieses Mal eine Scheune mit einer vermissten Person - Menschenleben in Gefahr, so das Szenario. Zügig fuhr man in die Lohgasse um die vermisste Person, alias Dummy, zu retten. Die Scheune "brannte" lichterloh, Rauch-Schwaden zogen aus den Öffnungen des Gebäudes, wieder leistete die Nebelmaschine ganze Arbeit.

Schnell wurde eine Wasserversorgung aufgebaut und die Menschenrettung eingeleitet. Zwei Trupps unter Atemschutz durchsuchten die Scheune und fanden die "Person" schließlich in einem kleinen Raum auf dem Boden liegend. Die Rettung begann sofort und mit gewohnter Professionalität der Jugendfeuerwehr. 

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Am Limit

Ziehen wir doch hier mal kurz eine Bilanz: Knapp 20 Stunden Dienst mit kaum mehr als 4 Stunden Schlaf, und dieser nicht einmal an einem Stück, und 5 erfolgreiche "Einsätze" lagen hinter uns allen. Die Kids müde, erschöpft, durch die Rettung des Dummys aus der Scheune völlig fertig, und die Betreuer - denen ging es nicht anders. Aber dennoch waren alle 11 zufrieden, hatten Spaß und auch Beschwerden gab es keine - sensationell!

Doch noch war der Dienst nicht vorbei, gute 4 Stunden lagen noch vor uns, in dieser Zeit kann viel passieren! Naja, theoretisch. Bis etwa halb 9 wurde noch mal geschlafen und im Anschluss gefrühstückt. Müde war man immer noch, doch Zeit für Entspannung gab es nicht.

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Noch einmal Action

Um 9:20 Uhr wurde schließlich zum 6. "Einsatz" alarmiert. Es war der Letzte, doch das wusste natürlich keiner. Wie gewohnt wurde sich fertig gemacht und ausgerückt nach Bauerbach, Am Forsthaus. Ein wachsamer Bürger hatte Rauch in einem freistehenden Wohnhaus gesehen. Beim Eintreffen der Feuerwehr war allerdings kein Rauch feststellbar.IMG 2707

 

Man erkundete um das Haus herum, schaute durch die Fenster hinein und stieg sogar mit der 4-teiligen-Steckleiter auf den Balkon, um in das Obergeschoss schauen zu können. Nachdem weder Rauch noch Feuer festzustellen war, wurde die Einsatzstelle wieder verlassen - viel Lärm um Nichts. Zurück zum Feuerwehrgerätehaus und Fahrzeuge und Ausrüstung wieder einsatzbereit machen. 

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Auch die schönste Veranstaltung geht einmal zu Ende

Das Ende des 24 Stunden Dienstes war mittlerweile fast gekommen. So wurde aufgeräumt, sauber gemacht und die Schlafplätze zurück gebaut. Herumgealbert, wie in den vielen Stunden davor, wurde kaum noch. Alle waren einfach viel zu erschöpft. Dann war es soweit, es war 11 Uhr morgens am Sonntag, der 24 Stunden Dienst war zu Ende. Schade einerseits, da es sehr viel Spaß gemacht hat, "Gott sei Dank" andererseits, da es sehr anstrengend war und jeder der 11 "Hochleistungsmaschinen" nur noch eines wollte: SCHLAFEN!!!

Es war ein Projekt, auf das sich die Kinder, aber auch alle Beteiligten drum herum sehr gefreut hatten, ein Projekt, welches sehr viel Freude bereitete und für alle eine völlig neue Erfahrung war. Das Endresultat ist daher sehr positiv. Jeder hatte unglaublich viel Spaß und Spannung in diesen 24 Stunden erlebt, die Anstrengung war nebensächlich. Eine Wiederholung ist daher nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern sehr wahrscheinlich bis auf jeden Fall vorgesehen.

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Als stellv. Jugendwart und Verfasser dieser vielen Zeilen möchte ich mich bei allen Beteiligten von ganzem Herzen bedanken. Ohne die Große Hilfe aus der Einsatzabteilung und vom Verein, ohne das gute Benehmen der Kinder in den 24 Stunden, ohne das Vertrauen der Eltern, wäre dieser 24 Stunden Dienst nicht möglich gewesen. Auch ich hatte dabei sehr viel Spaß!

 

 

VIELEN DANK!

  • Marc-Phillip Preis, 24 Stunden Maschinist vom MTW
  • Jan André Pilgrim, 24 Stunden Maschinist vom TSF-W
  • Maxime Born, Organisation "Einsatz" Nr. 1
  • Markus Wagner, Organisation "Einsatz" Nr. 2
  • Manfred Preis, Organisation "Einsatz" Nr. 3 und Meister am Grill
  • Maximilian Preis, Organisation "Einsatz" Nr. 4
  • Marcus Hühn, Organisation "Einsatz" Nr. 5
  • Martina Preis, Besorgungen und Vorbereitungen rund ums Essen und Trinken
  • Lisa Schimansky, Versorgung mit Kuchen
  • Danica Preis, Versorgung mit Spaghetti-Salat
  • Uni-Klinikum Marburg (UKGM), Bereitstellung des Parkhauses für "Einsatz" Nr. 1
  • Anton Schick, Bereitstellung des Strohs für "Einsatz" Nr. 3
  • Familie Petri, Bereitstellung der Scheune für "Einsatz" Nr. 5
  • Hans Kowalewski, Bereitstellung seines Hauses für "Einsatz" Nr. 6
  • Fachdienst Brandschutz der Stadt Marburg, Unterstützung und Bereitstellung von Materialien
  • Alle Eltern für das Vertrauen und Unterstützung
  • Alle Kinder der Jugendfeuerwehr für das tolle und brave Mitmachen

 

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